Mutter ist vom Kirchendach gesprungen und war auf der Stelle tot.
Warum eigentlich vom Kirchendach?, haben sich Schwester und ich gefragt.
Wir fanden keine Antwort und mit den anderen hier kann man nicht mehr reden, alle reden sofort in dieser neuen Art mit einem, die irgendwie die Traurigkeit überspielen und Hoffnung schenken soll.
Deshalb haben Schwester und ich aufgehört, zu versuchen, mit anderen wirklich zu reden. Wir haben uns.
Manchmal sitzen wir vor dem alten Plattenspieler, den Opa uns vererbt hat, und hören die Lieder, die Mutter immer gehört hat.
Sie legte ihre liebste Platte auf den Teller und drehte sich in ihrem - damals noch roten -Kleid um ihre eigene Achse. Schwester und ich schauten ihr gerne dabei zu und ich erinnere mich, wie wir einmal zu Dritt im Kreis tanzten. Ich glaube, es war im Winter, als es tagelang geregnet hat.
An dem besagten Tag waren wir sehr glücklich und als ich abends im Bett lag und an die Decke aufschaute, wusste ich nicht mehr, wie ich mich fühlen sollte.
Es war, als hätten die glücklichen Stunden, die wir mit Mutter verbrachten, Risse bekommen. Ich rief mir Mutters lachendes, fröhliches Gesicht in Erinnerung.
Je länger ich es so in meinem Kopf sah, desto mehr gefroren ihre Züge.
Am nächsten Tag habe ich es Schwester anvertraut.
Wenn wir heute über Mutter reden, dann sehe ich von ihr zwei Bilder: das von in ihrem Gesicht erstarrten Glück und das, wenn Schwester und ich im Haus waren und Mutter draußen auf der Wiese stand und das Haus betrachtete, ihr Blick aber nicht sehend aussah.
Heute reden Schwester und ich oft über diese zwei Bilder und ich glaube, wir haben beide gemerkt, wie Mutter erstarrte.