Montag, 21. Mai 2012


Sie steigt aus der Dusche wie eine Frau, die die Impressionisten vergöttert hätten. So natürlich und rein, dass es unecht wirkt.

Sie dreht sich um und schwebt auf mich zu. Ich träume nicht, wir küssen uns. Das ist alles. Mehr will ich nicht. Nie wieder.

Sie weiß, und ich weiß, dass diese Tage in diesem viel zu teuren Hotelzimmer in dieser viel zu schönen Hafenstadt, uns für immer gehören werden.

Auf dem frisch gemachten Bett liegen wir und sehen zum Fenster hinaus und sehen die kleinen Fischerboote in den Hafen einlaufen. Sie nimmt ihr Glas  Rotwein und wird wieder zum Gemälde.
Ich muss sie malen, aber ich kann nicht.

Wir ziehen uns an und laufen durch die fremde Stadt. Die Sprache verstehen wir nicht, aber jeder versteht uns. Wir sind eindeutig und laufen zum Hafen. Dort setzen wir uns auf die Kaimauer, Möwen hört man nur aus der Ferne.

Ich sage ihr, dass ich sie liebe. Sie erwidert, sie mich auch. Wir wissen, dass es nicht stimmt und doch wahr ist.

Sie bleibt ein Gemälde, eine Impression – Meine Liebe.

Sonntag, 13. Mai 2012








Lilitschka!
Tabakdunst hat die Stube durchräuchert;
Sie wimmelt -
Höllenpfuhl, Leibergemische.
Hier hab ich, du weißt noch,
deine Hände gestreichelt,
besessen-verzückt,
in der Fensternische.
Heute lehnst du kalt,
dein Herz hart gewappnet,
und morgen vielleicht schon
zischt du:
“verschwinde!”.
Im trüben Vorzimmer müh ich mich tappend,
daß zitternd die Hand in den Rockärmel finde.
Da renn ich raus,
werf den Leib in die Gassen,
toll
vor Verzweiflung,
zerschunden und hohl.
Laß,
Liebste, Beste,
du sollst mich lassen,
sag mir lieber gleich Lebewohl.
Einerlei,
meine Sehnsucht
hängt an dir wie Blei, -
wohin du auch fliehst,
du mußt sie tragen.
So brüll ich mich frei
mit letztem Schrei
von der Marterpein bitterster Klagen.
Ein Stier,
zerquält unter Mühsal und Lasten,
sucht schnaufend die Niedrung,
ein Gewässer, ein kühles.
Wo winkt mir ein Seeufer,
um dran zu rasten?
Bittere Ungnade
deines Gefühles!
Ruhe wünscht der müde Elefant,
macht sichs im Glühsand
fürstlich bequem;
nur deine Liebe
ist mir Sonne und Sand,
doch ich ahne nicht,
wo du weilst und mit wem.
Wolltest du einen Dichter
derart foltern, -
hinwürf er für Geld und Ruhm
seine Schöne.
Mir klingt
das Tönen der Welt wie Poltern;
ich möchte,
daß nichts als dein Name ertöne.
Kein Fenstersprung lockt mich,
keine ätzende Lauge,
nein, kein Pistolenlauf kühlt meine Schläfe.
Kein Blitz einer Klinge,
es wäre denn dein Auge,
hätt Macht über mich,
wenn er schneidend mich träfe.
Daß ich dich gekrönt,
wird mir morgen entfallen:
daß zehrend ich dein Blühn vergöttert.
Ein alberener Wirbel von Karnevalen
hat zausend meine Bücher entlättert…
Geböte das dürre Laub meiner Worte
noch Einhalt
dem Ungestüm schreitenden Schuhs?
Drum trete zum Abschied
auf meine verdorrte
Zärtlichkeit
dein enteilender Fuß.

lilitschka
vladimir majakowski