
Eine Bar, eine Nacht, ein Barhocker und Ich. Zeit für Gedanken. Im Hintergrund die Art von Musik, die einem ein Vakuumgefühl in den Bauch zaubert. . Ich versuche, gar nicht erst anzufangen mit den Grundfragen des Lebens.
Also Schluss mit Zweifeln an der Wahrhaftigkeit meiner Existenz. Prämisse ist also: Ich lebe und denke und frage mich nicht, wieso ich lebe, sondern was ich mit der kurzen Zeit anfangen soll. Also wie mein Leben "gestalten"? Natürlich bekomme ich bei diesem Wort "gestalten" ein ungutes Gefühl. Impliziert es doch eine so große Freiheit im Denken und Handeln, die ich niemals haben werde und auch gar nicht erreichen kann. Man kann sein Bild ja nur in dem dafür vorhergesehenen Rahmen malen und der Rahmen in unserer Zeit ist zwar ziemlich gewachsen im Vergleich zu unseren Vorfahren, doch macht das die Sache nicht leichter. Man aktzeptiert, dass es einen Rahmen gibt und man spürt diesen Rahmen nur recht selten, sodass man ihn bald ganz vergisst und nur sehr selten an ihn zurück denkt. Also ist man jetzt mitten im Leben und fängt an, es zu "gestalten".
Damit beginnen auch die Entscheidungen, deren Konsequenzen unausweichlich sind. Aber ich will das ja eigentlich nicht. Ich will gar keine Entscheidungen treffen und auch nicht gestalten, ich will Ruhe und Glück. Problem dabei ist, das klappt so nicht. Vielleicht für einen Moment, in dem man denkt, ja, jetzt bin ich erfüllt und eins mit der Welt. Am nächsten Tag wacht man doch wieder auf. Und die vielen Bücher und Ratgeber und Philosophien und Ärzte, die einen zum wahren Glück führen wollen, will ich nicht sehen. Ich will nicht wissen, was Glücksempfinden biologisch ist und wie man mir helfen kann. Ich will es selbst finden.
Natürlich müssten jetzt Stimmen in mir laut werden, die schreien, dass das ja ganz normal sei, dass es jedem so gehe und die Zeit das schon in Ordnung bringen werde. Nun, ich will diesen Stimmen kein Gehör schenken. Ich überdenke die Möglichkeit, dass ich dazu grundsätzlich gar nicht im Stande bin: Glücklich zu sein, zufrieden, mit dem, was ich habe. Es gibt viele Beispiele, die diese Möglichkeit natürlich stützen, doch abfinden kann ich mich damit nicht. Sich damit abfinden käme einer endgütligen Resignation gleich, und dann kann ich mein Leben genauso gut verkürzen. Das aber könnte ich niemals, weil man ja seinen Eltern immer etwas schuldet.
So bleibe ich eben hier und suche weiter.
Gefunden habe ich das, was ich suchte, in wenigen Momenten, die unergründlich schön waren, und doch kommen danach wieder Zweifel auf. Nie könnte ich einfach sagen: Jetzt bin ich zufrieden und glücklich. Ich müsste mich selbst belügen.
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