Dienstag, 11. Januar 2011
bäume gibt es außerdem, deren runzlige rinde ich kenne, und wasser, dessen geschmack ich koste. dieser grassduft und sternenschein, die nacht, abende, an denen das herz weit wird-wie könnte ich die welt leugnen, deren macht und stärke ich erfahre? trotzdem gibt mir alles wissen über diese erde nichts, was mir die sicherheit gäbe, dass diese welt mir gehört. man kann sie mir beschreiben, und man kann mich lehren sie zu klassifizieren. man kann ihre gesetze aufzählen, und in meinem wissensdurst halte ich sie für wahr. man kann ihren mechanismus auseinandernehmen, und meine hoffnung wächst. zuallerletzt lehrt man mich, dieses zauberhafte und farbenprächtige universum lasse sich auf das atom zurückführen und das atom wieder auf das elektron. das ist alles sehr schön, und ich warte, wie es weitergehen soll. da erzählt man mir aber von einem unsichtbaren planetensystem, in dem die elektronen um einen kern kreisen. man erklärt mir die welt mit einem bild. jetzt merke ich, dass wir bei der poesie gelandet sind:nie werde ich wirklich etwas wissen. habe ich etwa zeit, darüber entrüstet zu sein? man ist schon wieder bei einer anderen theorie. so läuft diese wissenschaft, die mich alles lehren sollte, schließlich auf eine hypothese hinaus, die klarheit taucht in einer metapher unter, die ungewißheit stellt sich als ein kunstwerk heraus. hatte ich so viele anstrengungen nötig? die sanften linien dieser hügel und die hand des abends auf meinem erregten herzen lehren mich viel mehr. ich bin wieder beim ausgangspunkt angelangt. ich begreife: wenn ich die erscheinungen wissenschaftlich fassen und aufzählen kann, dann kann ich damit noch nicht die welt einfangen. wenn ich ihre ganze oberfläche mit dem finger abtaste, wüßte ich auch nicht mehr von ihr. und da soll ich wählen zwischen einer beschreibung, die sicher ist, mich aber nichts lehrt, und hypothesen, die mich angeblich etwas lehren, aber keineswegs sicher sind. mir selber fremd und dieser welt, ausgerüstet mit keinem anderen hilfsmittel als mit einem denken, dass sich selbst negiert, sobald es eine behauptung aufstellt- was ist das für eine situation, in der ich nur frieden finden kann durch die ablehnung des wissens und des lebens, in der die eroberungslust an mauern stößt, die diesen begriffen trotzen? wollen heißt widersprüche wecken. alles ist auf das zustandekommen jenes vergifteten friedens eingerichtet, den sorglosigkeit, trägheit des herzens oder tödliche entsagung schenken.
der mythos von sisyphos
albert camus
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen