Sonntag, 16. Januar 2011























Das Theater ist mir, wie die Kunst überhaupt, lange als eine Biblia pauperum vorgekommen, als eine Bilderbibel für alle die, welche nichts Geschriebenes oder Gedrucktes lesen können, und der Bühnendichter als ein Laienprediger, der die Gedanken der Zeit in populärer Form so allgemeinverständlich verbreitet, daß der Mittelstand, der hauptsächlich das Theater füllt, ohne viel Kopfzerbrechen begreifen kann, worum es geht. Das Theater ist daher immer eine Schule der Jugend, der Halbgebildeten und der Frauen gewesen, die noch die niedrigere Fähigkeit besitzen, sich selbst zu betrügen und sich betrügen zu lassen, das heißt, Illusionen anzunehmen und sich der Suggestion des Autors zu beugen.
vorwort zu fräulein julie
august strindberg

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