der bus hielt an der ecke der rue damrémont, und francoise stieg aus; die straßen von montmartre lagen in weißem schweigen da; von soviel freiheit überwältigt wußte francoise nicht, wohin; sie konnte nach jeder beliebigen seite gehen und hatte doch keine lust, überhaupt zu gehen. mechanisch lenkte sie ihre schritte zur "butte"; der schnee bildete unter den füßen zunächst einen leichten widerstand, dann gab er mit seidengleichem zerreißen nach; man fühlte sich unangenehm enttäuscht, wenn man das hindernis schon weichen fühlte, bevor man sich noch darum bemühte. der schnee, die cafés, die treppen, die häuser... was geht mich das alles an? dachte francoise mit einem gefühl von dumpfer, dunkler leere; sie war von einer so tödlichen unlust heimgesucht, daß ihr schritt fast stockte. was bedeuteten denn für sie all diese fremden dinge? sie waren in einer gewissen entfernung aufgebaut, hatten so gar nichts mit jener schwindelnden leere zu tun, in deren sog sie wie in einen mahlstrom geraten war. in einer spirale ging es immer tiefer hinunter, es schien so, als würde sie schließlich unten irgend etwas finden müssen: ruhe, verzweiflung, auf alle fälle etwas entscheidendes; aber stets blieb sie auf gleicher höhe, immer am rande des nichts. francoise schaute hilfesuchend um sich, als sei sie in einer not; nein niemand konnte ihr helfen. in sich selbst hätte sie eine wallung von stolz, von mitleid mit ihrem leiden, von weichheit finden müssen. die schläfen, der rücken taten ihr weh; doch selbst dieser schmerz kam ihr fremd vor. es hätte jemand da sein müssen, der sagte: ich bin müde, ich bin unglücklich, dann hätte dieser unklar umrissene, schwächliche augenblick seinen platz im leben mit würde einnehmen können. aber niemand war da.
sie kam und blieb
simone de beauvoir

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