
Ich springe über meinen Schatten. Ich springe einfach über ihn hinweg. Und dann bleibt er da liegen, alleine in der Sonne. Ich beginne wegzurennen und höre erst auf, als mein T-Shirt durchnässt ist. Ich schau' mich um, schau' sogar nach oben, aber nirgends ist mein Schatten zu sehen. Ich hab es geschafft. Ich geh langsam weiter und schau' den Menschen, denen ich begegne, direkt in die Augen. Keinem scheint aufzufallen, dass ich keinen Schatten mehr habe. Nur ich bin ganz sicher, dass ich mich endlich von ihm getrennt habe. Und so ruhig, wie ich jetzt bin, war ich seit einer Ewigkeit nicht mehr.
Vielleicht ist mein Schatten auch nur weg, weil die Sonne so hell ist. Ich nehme meine Sonnbrillen ab und dreh mich einmal um mich selbst, und kann nichts entdecken. Mich zieht es dann in den Wald hinein. Ich beginne wieder zu rennen, nicht, weil ich vor irgendetwas fliehe oder weil ich Angst habe, nur, weil ich rennen will. Ich renne in den Wald hinein und sehe ein Eichhörnchen neben dem Weg, es läuft in meine Richtung, bleibt aber abrupt stehen. Ich renne weiter.
Als ich den Wald wieder verlasse, ist es dunkel geworden. Der Mond ist nur ein Stück Wassermelone und die Schatten trauen sich nicht. Ich sehe die Stadt vor mir liegen, unendlich in ihren Ausmaßen und ihrem Lichtermeer. Ich schalte jedes Licht einzeln aus und bin dann wieder ruhig. Jetzt ist alles dunkel.
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