Das Schwein war sehr klein, und ich hielt ihm die Ohren zu, während er es erschoss. Es sackte dann einfach in sich zusammen und hörte auf zu grunzen. Gehört hatte es von der Welt schon nichts mehr, seit ich ihm die Ohren zugehalten hatte. Irgendwie war der Moment, in dem das kleine Schweineherz aufhörte zu pumpen sehr komisch, weil ich ihm ja die Ohren zu hielt, die Augen aber nicht. Es hat sowieso nur noch ein Auge, das andere war irgendwie mehr Narbe als Auge. Also das Schwein war jetzt tot.Wir hatten sein Grab schon geschaufelt, jetzt steckten wir ein provisorisches Holzkreuz in die feuchte Erde.
Irgend wie wurde uns klar, dass das Schwein nicht nur ein Schwein gewesen war. Irgend wie war nicht nur das Schwein tot. Wir waren sehr stumm an diesem Tag, obwohl die Sonne schien. Es war sehr warm und wir schauten in den Himmel und dieser war sehr bedeckt mit riesigen Wolken.
Ein Loch, da wo die Sonne durchkam. Ein sehr merkwürdiger Anblick, wie die Sonne auf dieses kleine Grab schien.
Wir gingen den Weg nach Hause zu Fuß. Es war sehr anstrengend, obwohl ich eigentlich ein guter Läufer war.
Wir kamen nie wieder an. Alles war fahl geworden. Es war, als ob die Sinneszellen nicht mehr die Schönheit der Dinge aufnehmen
Mein Bruder wurde krank.
Ich blieb gesund. Ich hörte auf, Fleisch zu essen. Ich hörte auf, aus dem Haus zu gehen. Ich hörte auf, Musik zu hören. Ich schaute aus dem Fenster und sah die Bäume, wie sie da standen und wuchsen. Ohne Grund, aber sie waren ungeheuer mächtig und alt, doch den unsichtbaren Riss sah ich auch in den Bäumen. Nicht, wenn sie verletzt waren, oder ihnen ganze Äste fehlten, nein, nur indem ich darüber nachdachte, was sie eigentlich den Tag über machten.
Die Bäume waren tot. Die Bäume waren vielleicht das Gegenteil vom Schwein. Sie waren viel zu groß, als dass ich sie hätte beerdigen können. Mein Bruder konnte mir auch nicht mehr helfen, er lag im Bett und starrte an die Decke. Seine Augen waren unendlich tief.
Die Decke bewegte sich nicht. Ebensowenig wie seine Augen.
Mutter verstummte. Sie hörte einfach auf zu reden. Irgendwie hatte der Bruder sie angesteckt. Nun waren wir zwei Schweigende und einer, der niemandem zum Reden hatte. Ich wollte zu ihr.
Das Schwein tauchte wieder vor meinen Augen auf. Es war so klein, aber mit seinem einen Auge und dem Rest des Zweiten hatte es irgendwie auch sehr alt und gezeichnet ausgesehen. Nun, ich begab mich auf den Weg zur Stadt um sie zu sehen. Nur zu sehen, um ihrer Schönheit willen. Ich erschrak sehr, als ich sie sah. Sie war kein Schwein, kein Baum, aber sie war auch nicht sehr lebendig.
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